Aero-Club Lippstadt e.V.

11.09.2010

Heute werde ich von der Helligkeit wach – nicht vom nervigen Wecker.  Gleich frage ich mich, wie ist das Wetter?  Für heute ist der (angeblich) letzte schöne Sommertag in diesem Jahr angesagt, mit Temperaturen bis zu 26 Grad. Ein Blick aus dem Fenster, na ja, am Nachmittag soll‘s ja noch schöner werden. Zunächst hole ich Brötchen für das Frühstück, inklusive Rosinenbrötchen, denn die schmecken mir auf dem Flugplatz am besten. Und genau da will ich heute hin – auf den Flugplatz Büren-Auf dem Schwalenberg, wo wir vom Aero-Club Lippstadt unsere Flugzeuge in einer Halle stehen haben.  

Nach einem gemütlichen Frühstück fahre ich dann doch zügig los, das Wetter wird immer besser.  Unterwegs habe ich das Radio an: Es wird ausführlich über den 11. September 2001 berichtet, Präsident Obama hat eine eindringliche Rede gehalten.  Die Bilder von diesem Tag werde ich wohl niemals vergessen.

Nachdem wir die Flugzeuge aus der Halle geholt haben und die ersten Starts gemacht wurden, bin ich mit meinem Start an der Reihe. Die Winde schleppt mich hoch auf knapp dreihundert Meter. Ich drücke nach – Querabflug – und schon piept‘s!  Nicht etwa bei mir, sondern das elektrische Variometer zeigt mir Thermik an. Erfreut kreise ich ein, drehe einen halben Kreis – das war‘s – weg ist der „Bart“. Irgendwo hier muss er doch sein! Ich suche, versetze die Kreise, mal geht’s hoch, mal runter. So geht das eine ganze Weile. Entnervt suche ich den Luftraum nach Bussarden ab, normalerweise verlässliche Anzeiger für Thermik. In einiger Entfernung sehe ich drei Vögel fliegen und stelle fest, sie können es heute auch nicht besser. Sie kreisen, versetzen den Kreis und ab und zu helfen sie mit ein paar Flügelschlägen nach. Wenn ich das könnte, müsste ich nicht schon nach 10 Minuten wieder landen. Also setze ich mich erst mal auf eine Bank und genieße mein Rosinenbrötchen.

Am späten Nachmittag mache ich meinen letzten Flug, nun ist die Luft vollkommen still, der Wind hat fast ganz nachgelassen, die Sicht ist klar und ich kann über das Sauerland und den Teutoburger Wald entlang sehen.  Der schönste Blick ist jedoch Richtung Warstein, dort sind gerade mehrere Dutzend Ballone aufgestiegen und bewegen sich langsam in meine Richtung. Auch bei der Montgolfiade nutzt man den letzten schönen Abend. Leider kann ich den Anblick nicht lange genießen, nach fünf Minuten muss ich mal wieder landen. Und dann ist für heute Schluss, die Flugzeuge werden gewaschen, mit Stoffbezügen geschützt und in die Halle eingeräumt. Anschließend setzen wir uns alle an den Grill, es gibt Würstchen und Kottelet.

Plötzlich kommt noch einmal Unruhe auf, alle rennen los. Auf dem Hallenvorplatz liegt noch ein Segelflugzeug. Davor steht ein Flugschüler, der heute seine ersten drei Alleinflüge gemacht hat. Wie es bei den Fliegern immer schon Brauch war, erhält er zunächst einen Strauß Wiesenblumen mit Disteln („Schön fest anfassen, damit du immer das richtige Fluggefühl in der Hand hast“). Anschließend gratulieren ihm alle mit einem mehr oder weniger starken Klaps auf den Po, damit sich auch dort das richtige Fluggefühl einprägt.

Danach fahre ich nach Hause. Die tief stehende Sonne blendet. Von der Kreuzung Kapellenberg oberhalb Büren hat man einen weiten Blick ins Münsterland. Es sind noch viele Ballone zu sehen, etliche landen zwischen Steinhausen und Eringerfeld. Es kommen mir viele Rückholer mit ihren großen Anhängern entgegen.

Ich genieße die letzten Sonnenstrahlen und wünsche mir noch ein paar schöne Flugtage in diesem Jahr.

Monika Ließ